Dienstag, 7. Februar 2017

Uhrwerke? Kleine Maschinen?

Funktionieren Kinder wie Uhrwerke? Müssen wir sie nur gut genug lenken und steuern, damit sie laufen wie eine gut geschmierte Maschine? Brauchen sie nur klare Regeln und Befehle, nach denen sie sich richten müssen?
Oder sind Kinder Menschen wie du und ich? Sind sie Menschen mit verschiedenen Stimmungen und Launen? Mit guten und nicht so guten Tagen? Mit Freud und Leid? Menschen, die mal besser und mal nicht so einfach in den Schlaf finden?
Das Matzel liegt ungefähr jeden Abend zur selben Zeit im Bett, plus minus...
Aber gerade unter der Woche, wo wir am nächsten Tag alle früh raus müssen und sie für die KiTa fit sein sollte, achten wir schon darauf. Es hat sich inzwischen auch ein recht festes Ritual eingespielt, welches in den Grundzügen jeden Abend wiederholt wird.

An vielen Tagen läuft das richtig gut. Nach dem Vorlesen und Lied singen möchte sie in ihr Bett und dann braucht man nicht neben dem Bett sitzen bleiben, dann kann sie allein noch ein Buch anschauen oder mit ihrem Teddy erzählen bis sie einschläft.
Nun ist es aber so, dass wir an manchen Tagen stark vom üblichen Ritual abweichen. Dann braucht sie noch was zu trinken, muss noch mal Pippi machen, möchte noch mal auf Mamas Schoß geschaukelt werden, möchte noch ein Buch vorgelesen haben....und und und...da kann es schon mal über eine Stunde dauern, bis sie zur Ruhe kommt und in den Schlaf findet.

Natürlich bin ich dann bei ihr und versuche, so gut ich kann, ihr zu helfen zur Ruhe zu kommen. Ich nehme sie auch zum dritten Mal aus ihrem Bettchen, schaukel sie auf meinem Schoß und singe in Dauerschleife La Le Lu. Schließlich wird es einen Grund für ihr Aufgewühltsein geben. 
Vielleicht das viele toben mit Papa vorm zu Bett gehen, oder in der KiTa war es besonders aufregend, oder die Zähne tun weh...oder oder oder.

Klar, gerade an Tagen, wo ich selber müde und kaputt bin, bedarf es da schon eine ganze Menge an Geduld... Aber ist das nicht das was Erwachsensein ausmacht? Der Unterschied zwischen Kind und Erwachsenen? Dass wir in der Lage sind, Gefühle zu kontrollieren und auf andere Menschen einzugehen, einfühlsam zu sein? Kinder sind ihren Emotionen vollkommen wehrlos ausgesetzt, sie können sie noch nicht steuern, sie können nur darauf reagieren...danach handeln...

Wie ist es nun mit dem Uhrwerk, den gut geschmierten Maschinen?
Braucht das Matzel die Nähe, Geborgenheit und  Aufmerksamkeit? Oder braucht es klare Grenzen, wo Schluss ist mit vorlesen, schaukeln und im Bett spielen? Braucht es eine klare Ansage, dass jetzt Schluss ist und liegen geblieben wird?

Ich sage Nein! Zumindest nicht so krass, wie ich es beschrieben habe. 
Natürlich gibt es auch mal eine Ansage wie "nach dem Toilettengang geht es aber gleich wieder ins Bett" oder "wenn du das Buch fertig angeguckt hast, mach ich das große Licht aus" oder "Leg dich mal hin, ich singe dir was vor". Aber niemals würde ich ihr die Bitte nach Nähe und Geborgenheit verweigern.

Wenn das Matzel abends allein im Bett liegt und mich braucht, nach Mama ruft oder weint, dann gehe ich natürlich zu ihr hin und versuche ihr zu helfen, für sie da zu sein. Was lernt sie denn, wenn ich nicht hin gehe? Dass Kommunikation zwecklos ist? Dass sie sagen kann, wenn sie ein Problem hat und es aber keinen interessiert?

Ich werde mich kaum erdreisten, zu behaupten, ich hätte Ahnung vom Einschlafen von Kindern, oder ich könne sogar Ratschläge dazu erteilen. Da gibt es genug sogenannte Fachleute, die schon einen Berg Bücher dazu verfasst haben (z.B. das umstrittene Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen"), von denen ich nicht ein einziges gelesen habe. Das einzige worauf ich an solchen Abenden höre ist mein Bauch...und natürlich mein Herz!

Bildquelle: Kinderherzgedanke
In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Tag und einen ebenso schönen Abend!
Eure