Dienstag, 5. März 2013

März 2013: 4. Insemination

Am Sonntag habe ich den ganzen Tag ein mehr oder weniger starkes ziehen und stechen auf der linken Seite im Unterleib. Hüpft mein Eichen doch schon einen Tag zu früh? Ich hoffe nicht, dann wäre der Versuch hinüber. Pünktlich 14Uhr bekomm ich meine Auslösespritze verpasst, tut wieder gar nicht weh, mein Mann hat das inzwischen gut drauf. Innerhalb 24-36 Stunden nach der Spritze soll nun das Ei hüpfen, wenn es noch nicht gehüpft ist.

Montag: Tag der Insemination
Ich gönne mir einen ruhigen Vormittag, zumindest ist das Plan. Die Sonne strahlt heut mit aller Kraft, das erste mal seit ziemlich langer Zeit....ich interpretiere das als gutes Zeichen ;-)
Mein Mann lässt mich schlafen, während er wie immer 6Uhr aufsteht und auf Arbeit fährt. 9Uhr geht er in die Klinik um seine Probe abzugeben. Er ruft mich an, es ist alles gut gelaufen, er musste kaum Zeit im Wartezimmer verschwenden.
Ich nutze den freien Vormittag nun doch für einige Erledigungen, Wäsche waschen, Staub wischen, aufräumen. Dann fange ich an mich "vorzubereiten". Ich gehe duschen, mache ein bisschen Wellness, alles ganz in Ruhe. Draußen ist Frühling, herrlich.
Ich verzichte auf das Fahrrad und nutze den Weg zur Klinik für einen Spaziergang. Zu meiner Verwunderung bin ich echt entspannt, wahrscheinlich kommt schon Routine auf. Pünktlich 11.30Uhr sitze ich im Wartezimmer, es ist sehr viel los und ich muss länger als sonst warten. Nun werde ich doch nervös, schließlich sind schon fast 24 Stunden seit der Spritze vorbei und ich habe ja immer noch Bedenken, ob das Ei nicht doch schon eher gehüpft ist. Endlich werde ich und 2 andere Frauen aufgerufen. Als erstes geht ein Paar in den OP...beim ersten Mal waren auch noch zu zweit. Die andere Frau und ich sitzen vor dem OP. Auf seltsame Art und Weise fühle ich mich mit ihr verbunden.
Ich zähle die Minuten, ich möchte endlich wissen, ob es vorbei ist oder doch noch nicht.
Dann werde ich aufgerufen. Wir schauen das Spermiogramm an, die Ärztin meint, es sind 8% schnell vorwärts bewegliche und immerhin 67% langsam vorwärts bewegliche Schwimmer unterwegs. Insgesamt können wir 6,75 Mio kleine Schwimmer auf die Reise schicken. Ich freue mich, ich hatte mir 7 Mio gewünscht, fast erfüllt.
Dann schauen wir per Ultraschall den Follikel an, er ist riesig: 31x34 mm, wow...kein Wunder das es zieht und drückt. Die Ärztin meint, er wird durch die Spritze aufgebläht und das Ei befindet sich quasi mitten im Sprung. Ich bin erleichtert, dass es noch nicht vorbei ist und empfinde den Zeitpunkt für nahezu perfekt.
Der Muttermund will nicht so wie die Ärztin will und es tut doch ganz schön weh diesmal...aber es ist schnell vorbei. Wir schauen, wo die Schwimmer sind und ich sehe die weiße Flüssigkeit in meiner Gebärmutter und wünsche in Gedanken eine gute und erfolgreiche Reise.
Im Ruheraum liegen zwei junge Frauen, die gerade eine Gebärmutterspiegelung hinter sich haben, sie stehen am Anfang der Diagnose. Sie sind interessiert und ich erzähle, somit habe ich keine Zeit für meinen eigenen Gedankenstrudel.
Auf dem Weg nach hause schaue ich mir die Werte des Spermiogramms an, sehe die neue Diagnose: OAT 1°, schaue auf die Werte, bin der Meinung, die Diagnose ist falsch. Es sieht alles so gut aus. Doch dann fällt mir ein, dass die Diagnose auf Grund der Werte vor der Aufbereitung gestellt wird. Und diese Werte sehen wirklich nicht sehr gut aus. Zu hause vergleiche ich die Werte mit den bisherigen...die Diagnose ist natürlich richtig. Die Tendenz der stetigen Verbesserung ist diesmal nicht bestätigt. Und nun? Keine Ahnung was ich grad fühlen soll, schließlich haben wir mehr Schwimmer losgeschickt als jemals zuvor...und nur das zählt. Punkt.

Den Rest des Tages verbringe ich mit einer Freundin und ihren Kindern, wir gehen Eis essen, weil Frühling ist. Das tut gut.

Abends flattert eine Nachricht ins Haus, die mich mehr umwirft als sonst. Eine Freundin erwartet im August Nachwuchs. Ich freu mich für sie, keine Frage. Jedes Kind ist ein Segen und großes Glück. Aber für mich hat die Sache immer zwei Seiten. Die des Freuens für die Glückliche und die andere Seite. Die andere Seite besteht aus Traurigkeit, Neid und auch ein bisschen Wut. Auf keinen Fall Wut auf die Freundin, um Gottes willen. Wut auf die Situation, Traurigkeit über die Situation. Die hohe Dosis Schwangerschaftshormonone, die ich gestern gespritzt bekommen habe, tut ihr übriges.
Ich weine, kann mich kaum beruhigen...es tut weh. Morgen wirds wieder besser sein, hoffe ich.

Zusatzinfo:
Die Auslösespritze enthält 5000 Einheiten HCG. HCG ist das Schwangerschaftshormon, welches auch den zweiten Strich auf einen Schwangerschaftstest zaubert und bei einigen Frauen während der ersten Wochen für Übelkeit oder ähnliches sorgt. HCG bildet sich mit Beginn einer Schwangerschaft und die Konzentration im Blut verdoppelt sich ca. alle 2 Tage. Eine Schwangere Frau hat ca. in der 6./7. Woche einen so hohen HCG-Wert. Nur das bei einer Schwangeren der Wert gemächlich ansteigt, ich bekomm ihn auf einmal verpasst.

Nun beginnt wieder die Zeit des Wartens. Noch bin ich ganz ruhig, nehme mir fest vor, es diesmal auch zu bleiben. So ist zumindest der Plan.