Mittwoch, 13. Februar 2013

Wo anfangen?

Tja, wo fängt man an, wenn man schon mittendrin ist? Am besten trotzdem am Anfang!
Mein Mann und ich, wir wünschen uns ein Kind, wie man unschwer aus dem Titel erfahren kann. Aber wie das so ist mit den Wünschen, sie gehen manchmal nicht so einfach in Erfüllung.

Ich möchte euch in diesem Blog an unserer Geschichte teilhaben lassen. An einer Geschichte, deren Ausgang noch niemand kennt.

In erster Linie soll mir das Aufschreiben unserer Geschichte helfen, helfen nicht aufzugeben und all die Emotionen und Belastungen die damit einhergehen, zu verarbeiten. Aber es soll auch andere ermutigen seine Wünsche und Träume niemals aufzugeben.

So, dann wollen wir mal!
Schon eine Weile vor unserer Hochzeit im August 2011 haben wir aufgehört zu verhüten. Wir steckten mitten im Bau unserer Eigentumswohnung und der "Plan" war, pünktlich zum Einzug einen kleinen Mini-Mitbewohner mit einziehen zu lassen. Ich hatte schon sehr lange die Pille abgesetzt und wir haben mit der Symptothermalen Methode (NFP) verhütet. Ich kannte also zu diesem Zeitpunkt meinen Körper schon ziemlich genau und wusste, wann die "heiße Phase" ist. Also "betrieben" wir Sex nach Plan.
Nach mehreren Zyklen, in denen ich mit Fruchtbarkeitstees und diversen homöopathischen Mittelchen experimentiert habe, endeten diese alle enttäuschend mit sinkender Basaltemperatur und der Periode. Somit beschlossen wir der Sache auf den Grund zu gehen.

Der erste Weg führte zum Frauenarzt meines Vertrauens. Soweit er das per Ultraschall beurteilen konnte, sah er keinen physischen Grund warum ich nicht schwanger wurde. Er gab mir direkt eine Überweisung in die örtliche Kinderwunschpraxis.
Mit gemischten Gefühlen aus Angst vor der Diagnose und Hoffnung auf ein baldiges Ende der Warterei, machte mein Mann einen Termin zur Kontrolle seines Spermas.
2 Tage vor Weihnachten 2011 hat er seine erste Probe zur Kontrolle abgegeben. Nun hieß es warten auf das Ergebnis. Wir sind über Weihnachten weggefahren und als wir wieder daheim waren, lag der Brief mit dem Ergebnis schon im Briefkasten.

Zahlen über Zahlen, Normwerte und Ergebniswerte, eine Diagnose mit der wir nicht wirklich etwas anfangen konnten. Aber wozu gibt es Tante Google?
Diagnose OAT 1°, eingeschränkte Fertilität!

Zwischeninfo:
Spermien werden nach 3 verschiedenen Kriterien beurteilt. 1. Anzahl pro ml, 2. Beweglichkeit (schnell vorwärts, langsam vorwärts, örtlich und unbeweglich) und 3. Aussehen. Jeder der 3 Buchstaben steht für eine Eigenschaft. Somit bedeutet diese Diagnose, dass es Einschränkungen in allen 3 Eigenschaften gibt. Mit anderen Worten, es waren zu wenig Spermien, die zum Großteil nur örtlich beweglich und viele Defekte aufwiesen.

Diese Diagnose hat uns den Boden unter den Füßen weggerissen. Wir waren niedergeschmettert und wussten in diesem Moment nicht weiter. Sicher, die einmalige Abgabe von Sperma ist nur eine Momentaufnahme und das kann sich alles wieder ändern. Aber trotzdem, im ersten Moment klingen diese Worte wie leere Phrasen, die einem "nur" Trost schenken sollen.

Nach einem ersten Beratungsgespräch in der Kinderwunschklinik wollten wir alle weiteren Einschränkungen ausschließen und begaben uns in den Diagnosestrudel. Somit hieß es: Zyklusmonitoring bei mir (sind alle Hormonwerte in jeder Phase des weiblichen Zyklusses in Ordnung), weiteres Spermiogramm zum Vergleich,   Untersuchung beim Urologen, Bauch- und Gebärmutterspiegelung mit Überprüfung der Eileiterdurchlässigkeit bei mir.
Wir wollten einfach sicher sein, dass nicht noch weitere Hindernisse unserem Wunschkind im Weg stehen.

Um das kürzend zusammenzufassen, die Hormone zeigen keine Auffälligkeiten und die Eileiter sind durchlässig, Gebärmutter ist gesund und ohne auffällige Verwachsungen.
Für diese OP musste ich mich meiner ersten Vollnarkose unterziehen. Niemand wusste, dass ich im Krankenhaus bin. Nur mein Mann und meine Eltern.
Wir sprachen nicht "darüber". Mit niemanden. Warum kann ich nicht sagen, wir waren einfach nicht dazu in der Lage...noch nicht.

Das Wiederhol-Spermiogramm zeigte keine Veränderung der Diagnose. Die Untersuchung beim Urologen machte uns Hoffnung. Ich zitiere den Arzt mal frei nach meiner Erinnerung: "das ist das beste Spermiogramm, was ich seit langem gesehen habe. Es sind schon Männer Väter geworden mit viel schlechteren Werten."

Was heißt das denn jetzt? Will die Kinderwunschklinik nur Geld mit uns verdienen und eigentlich ist gar nicht alles so schlecht, wie es aussieht?
Inzwischen ist Sommer 2012 geworden und wir lassen keinen Zyklus unversucht vielleicht doch auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Doch dieses Glück bleibt uns weiterhin verwährt. Ein Jahr ist nun schon vergangen...wie die Zeit vergeht.

Wie beschließen eine Pause einzulegen. Eine Pause vom Kinderwunsch, die wir dringen nötig haben. Unsere Eigentumswohnung ist nun fertig und der Umzug rückt in den Vordergrund. Wir beschließen für den Rest des Jahres alle Kliniken und Ärzte zu meiden.
Natürlich versuchen wir fleißig weiter, aber ein wenig "entspannter", zumindest so weit man da noch entspannt sein kann.

Es wird Herbst, der Umzug ist so gut wie erledigt, wir werden heimisch in unserer neuen Wohnung. 2 Zimmer sind leer, zu leer. Wir können und möchten das Ende des Jahres nicht mehr warten. Zu zermürbend und frustrierend sind die immer wieder unschön ausgehenden Versuche. Wir besprechen, wie es weiter gehen soll.
Die Ärzte haben uns zu Level 3 der 3 Möglichkeiten geraten: "etwas anderes kommt bei diesem Spermiogramm eigentlich nicht in Frage".

Zusatzinfo:
Ich nenne es mal "Level", weil es die 3 Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung am besten beschreibt. Level 3 ist der höchste Grad an Eingriffsmöglichkeit.

Der Gedanke daran macht mir immer noch Angst und auf eine Art kann ich es irgendwie nicht begreifen. Unser Kind soll in einer Petrischale entstehen? Nicht dadurch, dass mein geliebter Mann und ich uns lieben? Diese Vorstellung und die Unbegreiflichkeit treibt mir immer wieder die Tränen in die Augen.
Die Frage nach dem Warum ist mein permanenter Begleiter. Das Empfinden von Ungerechtigkeit mischt sich dazu.

Wir entscheiden uns gegen den Rat der Ärzte für das langsame Herantasten an die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin. Wir wissen, dass die Chancen damit kaum höher sind, als auf normalem Weg schwanger zu werden. Doch es gibt uns ein Gefühl davon, die "Verantwortung" abgeben zu können. Jemand kümmert sich, sagt uns was wir machen müssen.
Auf diesem Weg habe vor allem ich die Möglichkeit, mich langsam an die Untersuchungen, die Spritzen, die Abläufe im OP zu gewöhnen. Im Oktober 2012 wollen wir den ersten Versuch mit einer Insemination starten.