Montag, 8. April 2013

The same procedure....

Mein Mann macht sich am Freitag morgen auf dem Weg in die Klinik, er zieht seine Schuhe an und sagt zum Abschied "mach dir nicht allzu viel Hoffnungen, ich hatte doch letzte Woche Fieber". Ich weiß...

Vor meinem Termin geh ich noch etwas in die Stadt bummeln, ich kaufe schon mal die Schwangerschaftstests für in 2 Wochen und diverse andere absolut notwendige Dinge aus einer Drogerie, ich kaufe Wolle für mein neues Häkelprojekt und Karten für ein Outdoor-Vortrag im Globetrotter. Dann geh ich mit all meinen Schätzen in die Klinik. Das Wartezimmer ist recht leer, gut so.
Nach nur 30 Minuten Wartezeit werde ich direkt in den OP gerufen. Die Ärztin bespricht wieder das Spermiogramm mit mir. Es sieht besser als erwartet aus, keine Verschlechterung zum letzten Mal. Aber auch keine Verbesserung. Alle 3 Buchstaben sind zurück, Diagnose OAT 1.°, Einschränkungen in allen 3 Eigenschaften.
Wir können 6,6 Mio schnell und langsam vorwärts bewegliche Schwimmerchen auf Reisen schicken. Aber so viele brauchen wir ja auch gar nicht, wir brauchen nur ein einziges Schwimmerchen zum Glück.
Nach dem Transfer kontrolliert die Ärztin wieder per Ultraschall, ob alles dort gelandet ist, wo es hin soll. Und da sieht man wieder wie die weiße Masse sich in meiner Gebärmutter ganz leicht hin und her bewegt, wie schön! Findet auch die Ärztin.

Jetzt heißt es wieder warten. Ich werde wieder versuchen, die Wartezeit so sinnvoll wie möglich zu verbringen, denn auch mit unerfülltem Kinderwunsch lebt man ja noch nebenbei ;-) !

Bis in spätestens 2 Wochen!

Mittwoch, 3. April 2013

Folli-TV und viele Fragen

Wir gehen also diesen Weg erstmal weiter, den Weg der Insemination. Heut war ich beim Ultraschall und auf der linken Seite hat sich ein wunderschöner runder Follikel von 16mm gebildet. Die Ärztin meint, wir könnten die Insemination schon morgen machen, doch das erscheint mir ziemlich früh. Das letzte mal haben wir bei 17mm noch das ganze Wochenende gewartet. Also entscheiden wir uns für Freitag.
Im anschließenden Gespräch wollen wir ein paar Fragen beantwortet haben.
Wie kann es für uns weiter gehen? Ist es sinnvoll den Weg der IUI weiter zu gehen? Können noch andere Dinge untersucht werden, um der Ursache auf den Grund zu gehen? Wie läuft der Übergang zu Level 3 ab? Doch die Ärztin wimmelt uns ab...sie hat pro Patient nur 10 Minuten Zeit und kann in der Zeit nicht auf Fragen eingehen. Wir sollen einen Beratungstermin ausmachen und da kann Sie sich dann auch die Spermiogramme genauer ansehen und uns eine weitere Behandlung empfehlen. Toll, das war ja etwas unbefriedigend.
Wir bekommen einen Termin zur Beratung am 29.4.. Sofort dreht sich in meinem Kopf das Zahlenkarussell....rechne rechne..wann endet eventuell dieser Zyklus...wann wäre der nächste Eisprung...hmm, dann wirds auf keinen Fall etwas im Mai mit einer eventuellen neuen Behandlung. Und dann ist schon das halbe Jahr wieder rum...
Aber eins nach dem anderen: also am Freitag die 5. Insemination und dann am 29.4. das Beratungsgespräch.

Im Mai fängt mein Mann einen Lehrgang an, das heißt, dass er hinsichtlich Termineinteilung nicht mehr ganz so flexibel ist wie im Moment. Kann ja keiner ahnen, dass sich das alles so dermaßen in die Länge zieht. Warum hat man (frau) auch nur einen Eisprung im Monat? Warum kann es nicht mal einfach sein? Warum wir? Warum kann es nicht mal klappen? Warum haben wir nicht einfach mal Glück? Warum Warum...da sind sie wieder, die vielen Warum, in letzter Zeit wieder mehr präsent.

Gedanklich beschäftigen wir uns beide immer intensiver mit Level 3, dem höchsten Level auf der Leiter der künstlichen Befruchtung. Wir haben Angst davor, diesen Schritt wirklich gehen zu müssen. Noch haben wir Angst, doch die Schmerzgrenze sinkt und man wird fähig immer mehr zu ertragen und durchzumachen auf dem Weg zum Wunschkind.

Aber jetzt starten wir erstmal Versuch Nr. 5. Mein armer Mann hatte letzte Woche Fieber, Magen-Darm und ist im Moment noch arg verschnupft...das kann die Qualität der Schwimmer beeinflussen, meint die Ärztin.

Mittwoch, 27. März 2013

Einfach entspannen...

...oder warum ein Dreieck nicht einfach zum Kreis wird!
Es war einmal ein Dreieck, das war eigentlich ganz glücklich in seinem Dasein. Es lebte so vor sich hin und dachte ab und an daran, dass es vielleicht ganz schön wäre, ein Kreis zu sein. Dann könnte es sich viel leichter fortbewegen, es wäre nicht immer alles so anstrengend und Kräfte raubend. Da kam ein Kreis und bemerkte den Wunsch des Dreiecks. Der Kreis wusste auch nicht, wie aus dem Dreieck ein Kreis werden kann. Aber so schwer kann es doch nicht sein, dachte sich der Kreis. Das Dreieck solle sich einfach mal etwas entspannen, dann würde es sicher ganz einfach zum Kreis werden, meinte der Kreis. Das Dreieck versuchte nicht mehr daran zu denken, dass es lieber ein Kreis wäre. Doch bei fast jedem Schritt im Leben des Dreiecks wurde es wieder mit dem Wunsch konfrontiert ein Kreis zu sein. Als das Dreieck dann wieder daran dachte, dass es doch lieber ein Kreis wäre, erschrak es und dachte an die Worte des Kreises, es solle sich einfach ein bisschen entspannen. Das Dreieck wurde traurig und bekam das Gefühl, selbst schuld daran zu sein, dass es nicht zum Kreis wurde...denn es konnte sich ja nicht genügend entspannen.

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Immer wieder bekommen wir allerhand gut gemeinte Ratschläge. Ja ich weiß, es ist nur gut gemeint und vielleicht auch in der Hilflosigkeit und dem Wunsch uns irgendwie helfen zu wollen begründet. Aber inzwischen bekomme ich echt innerlich einen Krampf und es stößt mir mehr als sauer auf.
In den inzwischen mehr als 2 Jahren des unerfüllten Kinderwunsches, habe ich mich sehr entwickelt und verändert. Am Anfang war ich oft einfach nur traurig und habe kein Sinn darin gesehen, mich mit anderen Dingen zu beschäftigen, die mir vielleicht Freude machen könnten. Alles war wie eine dicke graue Wolke um mich herum, mein Lebensmittelpunkt war unser sich nicht erfüllender Wunsch nach einem Kind. Ich konnte mich kaum zu irgendwas motivieren, wollte keine Pläne machen und sei es nur Urlaub gewesen. Es war für mich einfach nicht möglich, an einen Urlaub zu zweit zu denken und daran Freude zu empfinden.
Doch mit der Zeit habe ich gelernt, den Wunsch nach einem Kind nicht zum Mittelpunkt unseres Lebens zu machen. Natürlich ist es nach wie vor unser größter Wunsch, doch man kann und darf daneben auch Freude empfinden. Bis hier hin war es ein langer und harter Weg für mich.

Ich habe wieder angefangen Urlaubspläne zu machen. Schließlich hat es doch auch sein Gutes, dass wir einfach in Urlaub fahren können und absolut flexibel sind.
Ich habe wieder angefangen Sport zu machen. Radfahren nach der Arbeit tut einfach so gut und bläst alle negativen Gedanken aus meinem Kopf.
Ich habe mir verschiedene Hobbys gesucht, die mich kreativ fordern. So sitze ich abends nicht "rum" und bin meinem Gedankenkarussell ausgeliefert.
Ich bin süchtig nach Hörbüchern, ich höre wann immer ich kann. Es tut mir gut, ich kann mein Gehirn stumm schalten. Es lenkt mich ab, es entspannt mich.
Ich spreche über unsere Situation, mit der Hoffnung auf Verständnis und offene Ohren.

Doch eigentlich bin ich niemandem eine Erklärung schuldig, ob ich mich auch genug entspanne. Ich habe für mich einen guten Weg gefunden, mit der Situation und den Belastungen der Behandlung umzugehen. Ich lasse Gefühle zu, wenn sie da sind und freue mich darauf, dass der nächste Tag wieder ein besserer wird.

Vielleicht habt ihr ja Interesse und Zeit auch noch diesen Artikel zu lesen. Er soll rein informativ sein und nicht als Rechtfertigung verstanden werden. Ich möchte nur verstanden werden und mich nicht schuldig fühlen müssen, wie das Dreieck, das gern ein Kreis gewesen wäre.

Liebe Grüße

Montag, 25. März 2013

Und wieder beginnt alles von vorn

Tja was soll ich dazu noch groß schreiben? Es beginnt alles wieder vorn vorn. Ich habe meine Mens bekommen und damit stirbt auch der letzte kleine Hoffnungsfunken.
Wir haben mit dem negativen Test beschlossen, es noch mindestens einmal so weiter zu probieren und damit beginnt der Kreislauf von Neuem.
Ich werde dann in der Klinik anrufen und einen Termin fürs Folli-TV nach Ostern machen. Bis dahin passiert nichts aufregendes.
Sowohl das Termin- und Behandlungskarussell als auch das Gefühlskarussell beginnen sich wieder zu drehen. Aus Trauer und Enttäuschung wird nach ein paar Tagen wieder Hoffnung und Euphorie, hoffe ich.
Mehr gibts grad nicht zu sagen...

Dienstag, 19. März 2013

Träume, Schäume und Realität

In der Nacht Von Samstag auf Sonntag habe ich einen Traum, einen Traum der mir so real vorkommt, dass ich mich nach dem Aufwachen erinnern muss, dass es nur ein Traum war, leider. Ich habe von einem positiven Test geträumt. Dieses Gefühl im Traum war unbeschreiblich, ich war sprachlos, atemlos und unendlich gerührt. Doch dann bin ich leider aufgewacht.

Wir verbringen das Wochenende ganz entspannt, in harmonischer Zweisamkeit. Mein Mann werkelt an unserem Schlafzimmerschrank rum und widme mich ganz der Entwicklung meiner Kreativität und Fingerfertigkeit. Ich bemale Ostereier, häkel bis mir beinahe der Arm abfällt. Wir machen einen ganz wunderbaren Spaziergang bei Schnee und Sonne, der mir sehr gut tut.

Dann ist Sonntagabend da, nur noch einmal schlafen, dann kann ich endlich testen. Das Schlimmste oder besser, das Aufregendste ist die Ungewissheit. Ich hab auch diesmal ein gutes Gefühl, einiges ist anders diesmal, das lässt mich hoffen. Ich sehe vor meinem inneren Auge immer wieder den 2. Strich auf dem Schwangerschaftstest auftauchen, bin mir irgendwie absolut sicher, dass der Strich auftauchen wird. Ich bin diesmal so fröhlich und positiv gestimmt durch die Wartezeit gegangen, das kann doch nur etwas gutes heißen.
Ich nehme Baldrian mit der Hoffnung auf eine einigermaßen entspannte Nacht. Doch nichts ist, ich wache etliche male auf, versuche mich in der einfachsten Form der Meditation (von 100 abwärts zählen) um innerlich etwas ruhiger zu werden.
Dann klingelt endlich der Wecker. Ich stehe sofort auf und mach mit zittrigen Händen den Test. Ich starre und starre auf das weiße Testfeld, na los komm schon, zeige mir einen zweiten Strich, bitte. Ich drehe und wende den Test, vielleicht ist er ja nur schwach und es kommt aufs Licht an. Doch auch nach 10 Minuten ist da nichts, kein Hauch eines Striches, einfach nur weiß. Ich fühle mich leer...sonst ist da nichts, nur Leere.

Und nun? Wir sprechen beim Frühstück darüber, wie wir weiter machen wollen. Wir machen weiter wie bisher, wir gehen noch nicht auf Level 3 über. Noch nicht....

Den Rest des Tages blende ich das alles völlig aus, ich muss einen Kunden besuchen und bin dadurch komplett abgelenkt.
Doch abends fühle ich mich wie erschlagen, eine bleierne Schwere liegt auf mir. Ich lasse es einfach zu. Ich gönne mir ein Schaumbad und wir machen uns einen ruhigen Abend. Ich bin einfach nur froh, dass der Tag vorbei ist, wir nun Gewissheit haben und ich wieder schlafen kann.

Montag, 11. März 2013

Halbleer oder Halbvoll

Es ist immer eine Frage des Lichts, wenn ich an dieser Stelle mal Rosenstolz zitieren darf.
Ich kann sagen, ich muss noch eine Woche warten, bis ich endlich testen darf. Oder ich kann sagen, es ist nun schon eine Woche geschafft.
Die letzte Woche verging wie im Flug. Wir hatten allerhand vor und haben viele schöne Dinge erlebt. Auch diese Woche ist nicht ein Feierabend frei, jeden Tag unterwegs oder Termine. Sehr gut...da hat nichts die Chance mir die Laune zu verderben.
Denn die ist im Moment richtig gut, ich bin optimistisch und genieße einfach nur das Sein.
Klar gibt es Momente in denen mein Kopf anfängt zu arbeiten und dann werd ich auch schnell melancholisch und irgendwie so...mir fällt kein richtiges passendes Wort ein, vielleicht einfach nur traurig. Gestern unter der Dusche zum Beispiel. Da kamen sie über mich, all die quälenden Fragen und Gedanken und Träume und Hoffnungen und ja auch Zweifel. Dann schau ich in den Spiegel und mein Mund verzieht sich zu einem gequälten Lächeln, "alles wird gut" sag ich zu mir und schau mir in die Augen.
Dann verkriech ich mich schnell in die Armbeuge meines Mannes und schieb die dunklen Gedanken weg....weg...weg von mir.
Ich bin froh, dass ich hier alles einfach aufschreiben kann und ich weiß ganz genau, dass da noch andere Menschen sind, die gemeinsam mit mir auf "den Tag" warten. Und ja, ich bin mindestens genauso aufgeregt und ungeduldig wie ihr :-) ! Aber wir haben ja gesagt, wir machen den Test diesmal nicht eher, wir warten brav bis zum erlaubten Testtag.

Ich hoffe, meine Stimmung bleibt so. Ansonsten liegt das Baldrian für ruhigere Nächte schon bereit.
Danke fürs Lesen ;-) ! Bis baaahaalddd *winke*

Donnerstag, 7. März 2013

Utrogest und ganz viel los

Seit gestern muss ich wieder jeden Abend 2 Utrogest-Tabletten vaginal einnehmen. Bääääh, das mag ich echt nicht.

Zusatzinfo: Utrogest
Im Prinzip ist Utrogest reines Progesteron,  auch Gelbkörperhormon genannt. Der Gelbkörper wird nach dem Eisprung am Eierstock gebildet und soll im Falle einer Schwangerschaft das Heranreifen weiterer Eizellen verhindern. Das Hormon soll nun eine potentielle Einnistung der befruchteten Eizelle unterstützen und die Gebärmutterschleimhaut schön dick und gemütlich halten.

Eigentlich habe ich keine sogenannte Gelbkörperschwäche. Davon spricht man, wenn die Zeit nach dem Eisprung sehr kurz ausfällt. Es wird zu wenig Progesteron produziert und der Progesteronspiegel sinkt dann zu schnell wieder ab. Man bekommt mit abfallen des Progesteronspiegels die Periode. Also eigentlich ist mein Progesteronhaushalt in Ordnung, aber im Zuge einer Kinderwunschbehandlung wird gern damit unterstützt. Der Gelbkörper kann von Zyklus zu Zyklus schwanken und dem wird damit quasi vorgebeugt.
Und warum mag ich es nicht? Nun ja, es schmiert. Es ist eine ölhaltige Paste in Tablettenform, die habe ich dann in mir drin und die kann nirgends anders hin als wieder aus mir raus, da diese Paste nicht vollständig abgebaut wird. Wie auch?
Ich verzichte jetzt mal auf weitere erläuternde Details, denn dass das unangenehm ist, kann sich sicher jeder vorstellen. Aber das ist nur ein Grund, warum ich es nicht mag.
Ein anderer ist, dass Utrogest Meister im vortäuschen von Schwangerschaftssymptomen ist. Durch das konzentrierte Progesteron im Körper habe ich sporadisch verteilt folgende Symptome:
- Übelkeit
- schmerzende Brüste
- Stimmungsschwankungen bis hin zu Heulanfällen
- Blähungen
- Hunger, viel Hunger

Ich denke jede Schwangere oder Mutter kann eins oder mehrere der beschriebenen Symptome als typisch für eine Schwangerschaft beschreiben.
Juchhu...ich habe die Symptome ohne schwanger zu sein, zumindest bisher. Kein Wunder, dass man sich da allerhand einbildet. Aber er (der Körper) wird immer unglaubwürdiger. Bei jedem "neuen" Symptom wink ich nur noch lachend ab "alles schon dagewesen".

Tja und sonst so? Es ist bei uns allerhand los und das ist auch gut so. Sogenannter Freizeitstress! Umso aktiver wir unterwegs sind, desto weniger Zeit hat mein Gehirn mich zuzutexten.
Skifahren nach Feierabend, Radfahren von der Arbeit nach hause und dann gleich noch in die Sauna, häkeln bis der Arzt kommt (aua mein linker Arm), Hausarbeit mit Hörbuch (Gehirn stumm schalten), Spieleabend mit Freunden.
Es geht mir gut...noch!

Dienstag, 5. März 2013

März 2013: 4. Insemination

Am Sonntag habe ich den ganzen Tag ein mehr oder weniger starkes ziehen und stechen auf der linken Seite im Unterleib. Hüpft mein Eichen doch schon einen Tag zu früh? Ich hoffe nicht, dann wäre der Versuch hinüber. Pünktlich 14Uhr bekomm ich meine Auslösespritze verpasst, tut wieder gar nicht weh, mein Mann hat das inzwischen gut drauf. Innerhalb 24-36 Stunden nach der Spritze soll nun das Ei hüpfen, wenn es noch nicht gehüpft ist.

Montag: Tag der Insemination
Ich gönne mir einen ruhigen Vormittag, zumindest ist das Plan. Die Sonne strahlt heut mit aller Kraft, das erste mal seit ziemlich langer Zeit....ich interpretiere das als gutes Zeichen ;-)
Mein Mann lässt mich schlafen, während er wie immer 6Uhr aufsteht und auf Arbeit fährt. 9Uhr geht er in die Klinik um seine Probe abzugeben. Er ruft mich an, es ist alles gut gelaufen, er musste kaum Zeit im Wartezimmer verschwenden.
Ich nutze den freien Vormittag nun doch für einige Erledigungen, Wäsche waschen, Staub wischen, aufräumen. Dann fange ich an mich "vorzubereiten". Ich gehe duschen, mache ein bisschen Wellness, alles ganz in Ruhe. Draußen ist Frühling, herrlich.
Ich verzichte auf das Fahrrad und nutze den Weg zur Klinik für einen Spaziergang. Zu meiner Verwunderung bin ich echt entspannt, wahrscheinlich kommt schon Routine auf. Pünktlich 11.30Uhr sitze ich im Wartezimmer, es ist sehr viel los und ich muss länger als sonst warten. Nun werde ich doch nervös, schließlich sind schon fast 24 Stunden seit der Spritze vorbei und ich habe ja immer noch Bedenken, ob das Ei nicht doch schon eher gehüpft ist. Endlich werde ich und 2 andere Frauen aufgerufen. Als erstes geht ein Paar in den OP...beim ersten Mal waren auch noch zu zweit. Die andere Frau und ich sitzen vor dem OP. Auf seltsame Art und Weise fühle ich mich mit ihr verbunden.
Ich zähle die Minuten, ich möchte endlich wissen, ob es vorbei ist oder doch noch nicht.
Dann werde ich aufgerufen. Wir schauen das Spermiogramm an, die Ärztin meint, es sind 8% schnell vorwärts bewegliche und immerhin 67% langsam vorwärts bewegliche Schwimmer unterwegs. Insgesamt können wir 6,75 Mio kleine Schwimmer auf die Reise schicken. Ich freue mich, ich hatte mir 7 Mio gewünscht, fast erfüllt.
Dann schauen wir per Ultraschall den Follikel an, er ist riesig: 31x34 mm, wow...kein Wunder das es zieht und drückt. Die Ärztin meint, er wird durch die Spritze aufgebläht und das Ei befindet sich quasi mitten im Sprung. Ich bin erleichtert, dass es noch nicht vorbei ist und empfinde den Zeitpunkt für nahezu perfekt.
Der Muttermund will nicht so wie die Ärztin will und es tut doch ganz schön weh diesmal...aber es ist schnell vorbei. Wir schauen, wo die Schwimmer sind und ich sehe die weiße Flüssigkeit in meiner Gebärmutter und wünsche in Gedanken eine gute und erfolgreiche Reise.
Im Ruheraum liegen zwei junge Frauen, die gerade eine Gebärmutterspiegelung hinter sich haben, sie stehen am Anfang der Diagnose. Sie sind interessiert und ich erzähle, somit habe ich keine Zeit für meinen eigenen Gedankenstrudel.
Auf dem Weg nach hause schaue ich mir die Werte des Spermiogramms an, sehe die neue Diagnose: OAT 1°, schaue auf die Werte, bin der Meinung, die Diagnose ist falsch. Es sieht alles so gut aus. Doch dann fällt mir ein, dass die Diagnose auf Grund der Werte vor der Aufbereitung gestellt wird. Und diese Werte sehen wirklich nicht sehr gut aus. Zu hause vergleiche ich die Werte mit den bisherigen...die Diagnose ist natürlich richtig. Die Tendenz der stetigen Verbesserung ist diesmal nicht bestätigt. Und nun? Keine Ahnung was ich grad fühlen soll, schließlich haben wir mehr Schwimmer losgeschickt als jemals zuvor...und nur das zählt. Punkt.

Den Rest des Tages verbringe ich mit einer Freundin und ihren Kindern, wir gehen Eis essen, weil Frühling ist. Das tut gut.

Abends flattert eine Nachricht ins Haus, die mich mehr umwirft als sonst. Eine Freundin erwartet im August Nachwuchs. Ich freu mich für sie, keine Frage. Jedes Kind ist ein Segen und großes Glück. Aber für mich hat die Sache immer zwei Seiten. Die des Freuens für die Glückliche und die andere Seite. Die andere Seite besteht aus Traurigkeit, Neid und auch ein bisschen Wut. Auf keinen Fall Wut auf die Freundin, um Gottes willen. Wut auf die Situation, Traurigkeit über die Situation. Die hohe Dosis Schwangerschaftshormonone, die ich gestern gespritzt bekommen habe, tut ihr übriges.
Ich weine, kann mich kaum beruhigen...es tut weh. Morgen wirds wieder besser sein, hoffe ich.

Zusatzinfo:
Die Auslösespritze enthält 5000 Einheiten HCG. HCG ist das Schwangerschaftshormon, welches auch den zweiten Strich auf einen Schwangerschaftstest zaubert und bei einigen Frauen während der ersten Wochen für Übelkeit oder ähnliches sorgt. HCG bildet sich mit Beginn einer Schwangerschaft und die Konzentration im Blut verdoppelt sich ca. alle 2 Tage. Eine Schwangere Frau hat ca. in der 6./7. Woche einen so hohen HCG-Wert. Nur das bei einer Schwangeren der Wert gemächlich ansteigt, ich bekomm ihn auf einmal verpasst.

Nun beginnt wieder die Zeit des Wartens. Noch bin ich ganz ruhig, nehme mir fest vor, es diesmal auch zu bleiben. So ist zumindest der Plan.

Freitag, 1. März 2013

Folli-TV: einmal läuft es wie gewünscht!

Zyklustag 11: Folli-TV
Gestern Abend bin ich mit Ohrstöpseln in den Ohren Hörbuch hörend durch die Wohnung gewuselt und hab alles geputzt was eben geputzt werden musste. Danach lag ich ko auf dem Sofa, eingekuschelt in eine Decke und hab mich vom TV bedudeln lassen. Mein Mann meinte ich solle mich besser aufdecken, damit ich nicht so warm brüte...schließlich soll das Ei noch nicht so reif sein. Scherzkeks.
Kurz vorm zu Bett gehen, hab ich sogar für einen kurzen Moment vergessen, dass ich zum Ultraschall muss. Ich muss mich erinnern, dass ich nicht aus Versehen wie immer auf Arbeit fahre.

Doch  heut morgen kommt vergessen gar nicht in Frage. Ich bin aufgeregt und schicke Stoßgebete zum Himmel, dass der Folli doch bitte nicht zu groß ist. Wir besprechen, was wir machen, wenn er zu groß ist um auf Montag zu warten, aber eigentlich noch nicht reif genug ist. Hmm...keinen richtigen Plan, wahrscheinlich würden wir die IUI dann heute machen. Aber sofort kommt das Gefühl hoch "dann klappt es doch aber erst recht nicht".
Mein Magen krampft und ich muss mehrmals auf Klo, ich habe kalte zitternde Hände. Ich habe einfach so Angst, dass der Zeitpunkt wieder nicht ideal ist.
Ich setz mich aufs Rad und radel gemütlich zur Klinik. In der Anmeldung ist schon allerhand los, viele Frauen mit großen Taschen. Punktionen und Transfere stehen an, ich hoffe, das bleibt uns erspart (Level 3).
Auch das Wartezimmer ist schon recht voll, ich nehme mir eine Zeitung und lese was über Wechseljahre und Verdauungsprobleme...meine Hände zittern immer noch.
Dann komm ich recht schnell schon dran, heute fragt mich die Ärztin das erste mal, ob sonst alles ok ist. Scheinbar sieht man mir meine Anspannung doch ganz schön an.
Wir schauen uns per Ultraschall die aktuelle Lage an.
Zuerst die Gebärmutterschleimhaut: 9 mm, die erste Erleichterung. Bei voller Reife hat sie so 10 mm. Dann der Eileiter rechts, nichts zu sehen, nur viele kleine unreife Eibläschen.
Dann der Eileiter links, da ist der Leitfollikel. Zu meinem Erschrecken sieht er schon arg rund aus. Die Ärztin meint nur, ganz ruhig, wir messen erst mal: 17 mm....hach, sehr gut, zweite Erleichterung. Wir schaffen es bis Montag.
Ich freue mich, genau das hatte ich mir gewünscht! Am Sonntagnachmittag werden wir per Auslösespritze den Eisprung auslösen und am Montag machen wir dann ganz in Ruhe mit einem schönen reifen Eichen die IUI. Versuch Nurmmer 4 startet!

Montag, 25. Februar 2013

Trübsal blasen an einem grauen Tag

Es sind noch 4 Tage bis zum Folli-TV und ich merke jetzt schon, wie in innerlich unruhig werde und sehr unausgeglichen bin.
Gestern war noch ein guter Tag, auch vorgestern noch. Ich war gut drauf, entspannt und selbstbewusst. Kleine Kinder, Schwangere oder Hiobsbotschaften von neuen Schwangerschaften konnten mir kaum etwas anhaben.
Doch schon heute sieht die Welt wieder anders aus. Ich fühl mich allein, schwach und missverstanden. Ich kann schwer in Worten beschreiben, wie es wirklich in mir aussieht. Vielleicht will das so genau auch gar keiner wissen (Oh ja...Selbstmitleid...das können wir sehr gut).
Wir hatten am Wochenende Besuch mit kleinen Kindern. Es war so schön meinen Mann mit den Kids spielen zu sehen. Er hat sie auf dem Schlitten gezogen, hat ihnen vorgelesen...der hübsche blonde kleine Knirps saß neben ihm auf dem Sofa und ich konnte die ganze Zeit nur denken "ich wünsche uns so sehr so einen kleinen süßen Zwerg". Aber das ist nicht der Grund, warum ich heute so "traurig" bin, dafür gibt es nicht wirklich einen Grund. Es gibt nur eben solche und solche Tage. Ich möchte es auf keinen Fall missen, die Zwerge um mich zu haben, nichts ist schöner als unsere Wohnung erfüllt von Kinderlärm und trampelnden Füßchen.
Die Hoffnung auf den neuen Versuch steigt. Ich bin schon innerlich bei Freitag, plane Zeiten und Vorgehen und hoffe und wünsche und schiebe und rechne und beobachte meinen Körper auf Zeichen, ob wir es bis Montag schaffen oder schon am Freitag die IUI machen müssen.
Ablenkung, ja Ablenkung soll helfen hab ich gehört. Ich hab genug Ablenkung, wir haben jeden Tag nach Feierabend etwas vor und sind ständig unterwegs...also daran mangelt es nicht. Aber es ist immer präsent...ich schaue meinen lieben Mann an und denke "ich wünsche uns ein Kind".

So jetzt Kopf hoch, Krone gerade rücken und weiter gehts.
Ich hoffe, ich kann das nächste mal wieder mit einer optimistischeren Stimmung schreiben.
Aber eigentlich ist ja der Blog auch dazu gedacht, euch an meinen Gefühlen und Ängsten teilhaben zu lassen, um Verständnis zu erfahren. Und es gibt leider auch solche Tage...vielleicht ist morgen ein Besserer!

Mittwoch, 20. Februar 2013

Auf ein Neues...

Ich hab nun endlich meine Periode bekommen. Durch die Einnahme von dem Utrogest wird das so stark verzögert, dass es selbst nach dem Absetzen noch 5-7 Tage dauert bis endlich die Mens eintrudelt. Aber nun ist sie da und wir können den 3. Versuch endlich hinter uns lassen und uns auf den 4. Versuch konzentrieren.

Ich habe auch gleich in der Klinik angerufen und einen Termin ausgemacht.
Am Zyklustag 11, am 1.3., ein Freitag, gehts zum ersten Folli-TV. So ein Zyklus lässt sich einfach nicht planen...leider.
Wenn wir Pech haben, ist der Folli an dem Freitag schon so groß, dass er es nicht mehr bis Montag schafft, aber eigentlich nicht groß genug um volle Reife zu haben. Und wir müssen die IUI trotzdem machen, aber leider wieder mit einem nur fast fertigem Eichen.
Wenn wir Glück haben, ist der Folli an dem Freitag noch so "klein", dass er es locker bis Montag schafft und wir können bei voller Reife und in aller Ruhe am Montag die IUI machen.
Das wird schon langsam zur hochkomplizierten und komplexen Wissenschaft!

Ich bete diesen Zyklus also für ein langsames Ei...jeden Monat was anderes.
Was ihr tun könnt? Mitbeten ;-) dafür, dass wir diesmal den Zeitpunkt besser abpassen als letzten Zyklus.

Bis Bald...

Donnerstag, 14. Februar 2013

Februar 2013: 3. Insemination

Und schon finden wir uns im Februar wieder. Die dritte Runde steht unmittelbar bevor. Das alte Sprichwort sagt ja, dass angeblich aller guten Dinge 3 sein sollen. Aber bis hier hin waren die ersten 2 Dinge nicht unbedingt gut. Aber die Hoffnung ist groß, dass das "3. Ding" gut wird.

Ich fange schon an Zyklustag 1 an Tage zu zählen, wann könnte mein Eisprung sein, passt es mit den Wochentagen? Ich will einfach, dass es diesmal besser geplant abläuft. Aber wieder einmal soll es anders kommen als geplant.

Beim Tagezählen komme ich auf den wohl besten Termin für die IUI an einem Freitag. An genau diesem Freitag ist mein Mann dienstlich unterwegs. Er muss schon Donnerstag mittag losfahren. Also bete ich den Zyklusgott für ein schnelles Eichen an. Leider erhört mich der Zyklusgott nicht.

Zyklustag 11: Folli-TV
An einem Mittwoch noch im Januar geh ich zur ersten Ultraschalluntersuchung. Ich habe ein ungutes Gefühl, dass es noch nicht so weit ist, und Freitag würde ja nicht klappen. Mein Gefühl trügt mich wieder mal nicht, leider. Der Folli ist bei knapp 17mm, d.h. er bräuchte eigentlich noch 2 - 3 Tage zur Reifung. Die Ärztin meint, dass wir dann am Freitag die Insemination machen. Ich erkläre ihr die Situation, dass eigentlich nur der Donnerstag noch gehen würde...
Sie schlägt mir dann vor, die Auslösespritze nicht wie üblich einen Tag vor der IUI zu machen, sondern am Morgen vor der IUI und dann am Donnerstag mittag die IUI durchzuführen. Ich solle mir allerdings im klaren sein, dass die Bedingungen dann nicht ideal sind. Wir sollten dann unbedingt Freitag abend nochmal "nachlegen". Ich stimme dem Ablauf zu.
Ich gehe nach hause mit einem grummeln im Bauch. Warum kann denn nicht einmal alles passen?

Zyklustag 12: Insemination
Mein Mann geht morgens in die Klinik und gibt seine Probe ab. Er hat kein gutes Gefühl...denkt, dass es sich nicht wieder verbessert hat, denkt, dass es wieder schlechter ist. Wir werden sehen. Er macht sich auf den Weg zur Dienstreise.
Mit gemischten Gefühlen mach ich mich auf den Weg in die Klinik, das dritte mal zur Insemination, das zweite mal allein. Ich habe mich schön angezogen, fühle mich gut, selbstbewusst und stark.
Ohne lange Wartezeit werde ich heute direkt in den OP gebracht. Eine andere junge Ärztin macht heut die Insemination. Sie meint das Sperma dauert noch 3 Minuten, wird ganz frisch aufbereitet. Wir schauen im Ultraschall nach dem Follikel. Er ist kaum mehr gewachsen, gerade knapp 18mm, aber schön rund. Wenn so ein Follikel wächst, ist er oval, kurz vorm Sprung wird er kreisrund. Was man nicht alles lernt.
Die Ärztin ist gut gelaunt, wir scherzen und lachen, es ist eine entspannte Stimmung. Die Schwester kommt mit dem ganz frischem Sperma. Ich liege da und warte, während die Schwester Handschuhe anzieht. Dann geht es los. Ich habe noch keine Ahnung, wie viele Schwimmer auf die Reise gehen. Wir hatten noch keine Zeit das Spermiogramm anzuschauen.
Wir sprechen währenddessen über die Wiener-Studie, dass Lachen die Befruchtung fördert, ich muss lachen, trau mich kaum...ich habe Angst, ich könnte "etwas" verlieren. Wir schauen wieder mit dem Ultraschall, ob alles angekommen ist. Ist es. Es geht wieder los.
Wir schauen noch auf das Spermiogramm "das sieht absolut in Ordnung aus" meint die Ärztin. Die Gesamtanzahl hat sich mehr als verdreifacht, ich freu mich. Unterm Strich können wir 3 Mio Schwimmer auf die Reise schicken.
Im Ruheraum bin ich meinen Gedanken ausgeliefert. Ich starre auf die Zahlenwerte und versuche mir die vom letzten Mal ins Gedächtnis zu rufen. Ich weiß sie nicht mehr, aber ich sehe das T neben dem Wort Diagnose. Das O und das A sind weg. Aus 3 Einschränkungen ist eine geworden, es geht bergauf!! Ein hoffnungsvolles Lächeln auf meinem Gesicht.

Den Rest des Tages mache ich es mir daheim gemütlich, gönne mir einen entspannten Tag voller Nichtstun.

Dann beginnt der Kreis des Wartens erneut. Ich habe so ein gutes Gefühl diesmal. Die ersten 7 Tage bin ich absolut entspannt und richtig gut drauf. Natürlich achte ich auf all die bekannten Zeichen...oder sind sie diesmal nicht doch ein wenig anders, nein das zwicken und kneifen, das rummorren und drücken im Unterleib, das hatten wir alles so schon mal, oder? Ich bin erfüllt von Zuversicht, ich weiß nicht warum, aber es ist so und es fühlt sich gut an.

Noch 5 Tage bis zum Test...ich werde langsam unruhig. Ich fange an schlechter zu schlafen, wache oft auf. Meine Brüste fangen an weh zu tun...so spät erst? Sonst war das doch eher, das bedeutet sicher was gutes.
3 Tage vor dem Test habe ich einen wunderbaren Traum. Ich bringe einen wundervollen Jungen zur Welt, es ist ein schöner Traum, nach dem Aufwachen bin ich ganz erfüllt. Ich erzähle meinen Mann, dass ich eine anstrengende Nacht hatte. Er fragt, ob ich etwa eine Geburt hatte. Ich liebe ihn!

Einen Tag vorm Test, ich wache auf, nach einer sehr unruhigen Nacht, bin völlig gerädert und ungeduldig. Ich muss es jetzt wissen, diese Ungewissheit frisst mich auf.
Ich teste....negativ. Bin enttäuscht, ich habe so fest mit einem zweiten Strich auf dem Test gerechnet, ich war so sicher.




Januar 2013: Neubeginn und Pause

Was wünschen wir uns für das neue Jahr? Diese Frage ist für uns nicht schwer zu beantworten. Wir wünschen uns Gesundheit, Glück und natürlich die Erfüllung unseres großen Traumes.
Ich starte zuversichtlich und voller guter Hoffnung in dieses Jahr.
Das wird unser Jahr...ich spüre es, ich hoffe es.

Diesen Zyklus können wir nicht direkt weiter machen, wir fahren in den Winterurlaub und mein Eisprung wird genau in diese Zeit fallen. Ein lachendes und ein weinendes Auge begleitet uns. Wir sind traurig über eine verpasste Chance und freuen uns auf einen Monat Auszeit, Auszeit vom Kinderwunsch. Natürlich ist es keine wirkliche Auszeit....man hofft trotzdem, dass die Periode nicht kommt und wartet aber auch auf die Periode, damit man den nächsten Versuch starten kann. Die Münze hat immer 2 Seiten.

Wir waren im Winterurlaub und es war wunderbar. Wir konnten abschalten und die schöne Bergluft genießen, Ski und Snowboard fahren, Langlauf machen, einsame Schneeschuhwanderungen, abends feiern...die Kinderlosigkeit hat halt doch manchmal auch ein paar gute Seiten. Einfach mal eine Woche raus, weg von all den Sorgen und quälenden Gedanken. Somit können wir mit neuer Kraft den Versuch Nr. 3 starten.

Wie heißt es so schön...aller guten Dinge sind 3?

Mittwoch, 13. Februar 2013

Die "Außenwelt"

Was antwortet man auf die Frage "Und wie sieht eure Familienplanung aus?" ? Wie reagiert man auf die gut gemeinten Ratschläge? "Entspann dich mal, dann klappts schon" "Wollt ihr etwa keine Kinder?" oder "Ihr werdet ja auch nicht jünger!" Damit werden wir konfrontiert, manchmal mehr und manchmal weniger.
Es gibt Menschen, wenn man denen sagt, dass es nicht so einfach ist und man nicht darüber sprechen möchte....es gibt wirklich Menschen, die dann trotzdem weiter bohren. Die immer wieder fragen "na aber jetzt wo ihr verheiratet seid" oder "so langsam müsstet ihr aber schon in die Puschen kommen." ! Solche Worte treffen einen, ganz tief.
Am liebsten möchte man rausschreien "JA wir wollen KINDER, so sehr. Aber es geht nicht...es funktioniert nicht so einfach" ! Aber man hält einfach den Mund....

Es gibt Tage da kann ich mit solchen Fragen und diversen anderen Umständen gut umgehen. Da kann ich hoffnungsvoll sein und jedem sein Glück gönnen. Doch es gibt auch andere Tage. An denen bin ich neidisch und traurig, da kann ich mit solchen Fragen und Umständen kaum umgehen. Entweder ich lenke dann ab und mache einen Scherz, der meine Gefühle verdecken soll. Oder ich igel mich ein und vermeide den Kontakt mit potenziellen "Fragestellern".
Eine Zeitlang habe ich diese Gefühle nicht zugelassen und mich dafür geschämt, vor allem für den Neid. Doch diese Gefühle gehören dazu, sie sind ein Teil von mir, genauso wie Freude und Wut und Trauer. Ich akzeptiere sie, oder besser, ich versuche sie zu akzeptieren und zuzulassen. Das ist besser als sie zu verbergen und zu unterdrücken.
Ich fange an mit dem unerfülltem Kinderwunsch zu leben. Es war ein langer und nicht schmerzfreier Weg bis hierher.

Wir zeigen Freunden unsere neue Wohnung. "Das ist das Arbeitszimmer". "Vielleicht ja auch mal ein Kinderzimmer." "Arbeitszimmer." Im Nachhinein hab ich dann manchmal gedacht, ob sie jetzt denken, wir wollen keine Kinder und das ist das letzte, was ich möchte. Das jemand denkt, wir wöllten keine Kinder.

Inzwischen sprechen wir offen darüber. Wenn jemand nach unserer Familienplanung fragt, sagen wir die Wahrheit. Wir müssen uns nicht mehr verstellen und unangenehme Fragen ertragen.

Was wir nicht brauchen ist Mitleid. Klar tut es jedem leid! Uns tut es auch leid...sehr! Aber das ändert es nicht.
Wir gehen diesen Weg, immer weiter. Oft sind wir schwach und erleben Rückschläge, aber wenn das unser Weg ist, dann gehen wir ihn.

Was ich nie mache, ist mir die Frage zu stellen, was ist wenns nicht klappt. In vielen Ratgebern liest man, man soll sich die Frage stellen, wie man ohne Kinder leben möchte. Aber das kann ich nicht, noch nicht. Es kommt für mich im Moment nicht in Frage.
Ich höre oft "aber du hast doch sonst alles, einen guten Job, die Wohnung, einen lieben Mann...sei doch glücklich". Ja, ich bin glücklich das alles zu haben, aber ich bin traurig kinderlos zu sein.

Dezember 2012: 2. Insemination

Die Diagnose meines Mannes ist inzwischen von OAT 1° auf AT zurückgegangen. Wie schon beschrieben steht jeder Buchstabe für eine Eigenschaft der Spermien. Waren am Anfang noch alle 3 Eigenschaften (Anzahl, Beweglichkeit und Aussehen) eingeschränkt, bezieht sich die Einschränkung nunmehr nur noch auf 2 Eigenschaften. Nämlich auf die Beweglichkeit und das Aussehen.
Das stimmt uns positiv und lässt uns auf weitere Verbesserung hoffen. Schuld war nur der Stress, der Baustress. Aber nun wird alles besser....

Direkt nach dem ersten fehlgeschlagenem Versuch starten wir Versuch Nummer zwei. 
Am Zyklustag 1 rufe ich in der Kinderwunschklinik an und mache einen Termin fürs Folli-TV. Diesmal an Zyklustag 10, damit wir nicht wieder so in Stress verfallen wie beim letzten Versuch.

Zyklustag 10: Folli-TV
Der Follikel ist noch recht klein, gerade mal 16 mm groß. Wir haben noch Zeit. Ich bekomme für 2 Tage später einen neuen Termin.

Zyklustag 12: Folli-TV
Der Follikel ist bei knapp 18 mm. Es wird. Wir machen den Termin für die IUI für Freitag. Mein Mann soll gegen 9 Uhr vorbei kommen um die Probe abzugeben. Ich soll mittags zur OP kommen.
Ich freue mich, dass es diesmal entspannter läuft und wir an einem Freitag im Dezember in Ruhe die Insemination machen können. Schön wäre es gewesen...

Mein Mann hat an diesem besagtem Freitag leider einen wichtigen dienstlichen Termin und muss spätestens 8:30 Uhr vor Ort sein. Das Kartenhaus über mir fällt zusammen. Was nun? Ich ruf in der Kinderwunschklinik an um den Termin vorzuverlegen. Sie meinen, das Labor hat ja auch seinen Plan und muss die Proben der Reihenfolge nach bearbeiten, bla bla. Erst am nächsten Tag könne man mir sagen, ob da was möglich ist.
Ein Tag voller innerer Panik und Angst, den Versuch fallen lassen zu müssen, vergeht. 
Am nächsten Morgen ruf ich erneut an und erkläre unsere Misere. Sie schlägt vor, dass wir uns ein Becherchen abholen, die Probe daheim gewinnen und innerhalb 20 Minuten körperwarm transportiert in die Klinik bringen. Mir fällt ein Stern vom Herzen. So machen wir es! Mein Mann darf auch schon 7:30 Uhr vorbei kommen und die Probe abgeben, obwohl die Klinik erst 8 Uhr aufmacht. Was für ein Nervenstress!

Zyklustag 14: Insemination
Eine neue Situation für mich, wir gewinnen die Probe daheim. Mein Mann steckt das Becherchen unter sein Unterhemd und bringt die Probe pünktlich und schön warm in die Klinik.
11 Uhr spaziere ich in die Klinik. Ich bin sehr aufgeregt. Wie hat sich das Sperma entwickelt? Hat es sich wieder verbessert oder ist es schlechter, wegen der stressigen Situation vorher?
12Uhr betrete ich den OP. Die Ärztin bespricht mit mir das neue Spermiogramm. Es ist noch besser als das letzte, 5 Mio vorwärts bewegliche Spermien werden bei mir einziehen. Ich bin total überwältigt von dieser guten Nachricht. Ich breche in Tränen aus, Freudentränen.
Die Ärztin geht dann ganz behutsam mit mir um, da sie meine emotionale Anspannung merkt. Das ist wirklich sehr lieb von ihr.

Ich geh nach hause und ruhe mich aus. Lege die Hand auf meinen Bauch und wünsche den Schwimmern eine gute Reise. Von 5 Mio muss es nur ein einziges schaffen...das muss doch zu schaffen sein. Bitte Bitte Bitte.

12 Tage warten, 12 Tage Utrogest mit allem was dazu gehört...
In meinem Kopf spielen sich wundervolle Szenarien ab, wie wir zu Weihnachten unserer Familie sagen, dass ich schwanger bin. Was wäre das für eine Freude... Mein Gehirn ist anstrengend. Es ist zu gut im Kopfkino.

4 Tage vor Weihnachten teste ich negativ. Frohe Weihnachten...

Frust, Trauer, Wut und Unbegreiflichkeit macht sich in mir breit. Es wird nun schon das zweite Weihnachten vergehen, an dem unser großer Wunsch unerfüllt bleibt.